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Wie Sie unliebsame Verhaltensweisen bei der Arbeit ändern

Von Ioannis Lagoudakis, am 28. Dezember 2020 14:38:00 MEZ

Überlegen Sie mal einen Moment: Welche Verhaltensweisen mögen Sie bei sich selbst nicht so gern, was möchten Sie ändern? Das Vermeiden ehrlicher Rückmeldungen an Ihren Vorgesetzten? Das Beschweren über mangelnde Unterstützung von Kollegen, ohne aber um konkrete Hilfe zu bitten? Anderen ins Wort zu fallen und zu unterbrechen? Jeder von uns hat Verhaltensweisen, die er gern ändern würde. Oft erweist sich das aber als schwierig, oder man weiß nicht so recht, wie man dabei vorgehen soll.

Hier sind einige Tipps, wenn Sie es versuchen möchten:

1. Bestimmen Sie genau, was Sie ändern möchten

Weniger ist mehr. Zunächst einmal müssen Sie entscheiden, an welcher Verhaltensweise Sie arbeiten möchten. Wählen Sie das Verhalten, das Sie bei sich selbst am meisten stört und bei dem eine Änderung den größten Nutzen für Sie und andere bringt. Vielleicht werden durch diese Verhaltensweise ja sogar andere störende Angewohnheiten ausgelöst? Wenn Sie es vermeiden, Ihrem Vorgesetzten Feedback zu geben, könnte das beispielsweise dazu führen, dass Sie sich über mangelnde Unterstützung von Kollegen beschweren. Ein anderes Beispiel: Wenn Sie bei Teambesprechungen andere unterbrechen, statt ihnen zuzuhören, könnte das der erste Schritt hin zu Mikromanagement sein (Unterbrechen => Aufzeigen der besten Lösung => Übernehmen zusätzlicher Arbeit anstelle des Delegierens).

Stellen Sie einen Plan auf. Sehen wir uns das Beispiel des Unterbrechens anderer genauer an. Sie haben womöglich schon einige Beschwerden darüber gehört und bedauern Ihr Verhalten. Aber unter welchen Umständen kommt es zu dem Verhalten? Überlegen Sie sich, was genau Sie wann ändern möchten. Davon ausgehend ist es leichter, die beste Vorgehensweise zu finden und später den Erfolg zu messen.

Führen Sie ein Tagebuch. Beobachten Sie sich ein oder zwei Wochen lang selbst, und notieren Sie sich Antworten auf die folgenden Fragen:

• Bei welchen Anlässen bzw. in welchen Zusammenhängen neigen Sie dazu, andere zu unterbrechen? Bei jeder Besprechung? Nur bei Gesprächen mit Ihrem Team oder auch bei Gesprächen mit Ihrem Chef? Wie häufig unterbrechen Sie andere während einer Besprechung? Wie lange reden Sie selbst? Unterbrechen Sie dieselben Menschen tendenziell auch beim Plaudern in der Mittagspause?

• Was haben Sie vor, während und nach dem Unterbrechen anderer gefühlt und gedacht?

• Was geschieht als Nächstes, nachdem Sie jemanden unterbrochen haben? Unterbrechen Sie, um etwas zu erläutern? Um Gegenargumente vorzutragen? Um eine Lösung vorzuschlagen? Wie reagieren andere auf Ihr Verhalten?

Eine nähere Betrachtung der Einzelheiten hilft Ihnen, besser zu verstehen, was genau Sie ändern sollten. Vielleicht erkennen Sie dabei auch Ursachen dafür, dass Sie bisher noch keine Änderungen eingeleitet haben. Beim Beispiel „Andere nicht mehr unterbrechen“ lässt sich die Verhaltensweise zur Analyse wie folgt aufteilen:

Angestrebte Verhaltensweise:          Andere nicht mehr unterbrechen.
Zeitraum bzw. Gelegenheit:             Meetings mit Teammitgliedern am
                                                            späten Nachmittag
Gefühle/Gedanken:                           Langeweile, Dringlichkeitsgefühl
Auswirkung:                                      Andere stoppen in ihrem Redefluss;
                                                           sie hören mir zu und halten sich
                                                           meist an meinen Rat; Besprechungen
                                                           sind so schneller beendet

2. Denken Sie darüber nach, was Sie mit Ihren Handlungen beabsichtigen

Welche Bedürfnisse erfüllen Sie mit dieser Verhaltensweise? Was könnte Ihre (womöglich verborgene) Absicht sein? Manchmal ist die Absicht ziemlich offensichtlich – etwa dann, wenn es darum geht, Dominanz zu zeigen. Vielleicht sind Ihre Antworten aber auch komplexer, gerade in Situationen, bei denen positive Absichten am Ende negative Folgen haben. Mikromanagement kann sich beispielsweise aus der Sorge um andere ergeben oder das Ergebnis Ihres Sicherheitsbedürfnisses sein. Die positive Absicht anzuerkennen ist wichtig, um eine oder mehrere alternative Verhaltensweisen zu finden, die mit Blick auf die Absicht zweckdienlich sind, gleichzeitig aber die negativen Auswirkungen der alten Verhaltensweise vermeiden.

 

3. Finden Sie eine Alternative

Erinnern Sie sich an das Pawlowsche Experiment mit dem Hund und der Glocke? Wenn Sie eine andere Reaktion wünschen, müssen Sie den Stimulus ändern. Wie wäre es etwa, mit den Besprechungen nicht bis zum Ende des Arbeitstages zu warten, sondern sie gleich morgens abzuhalten? Manchmal ist es hilfreich, die Situation der Person anzupassen, um eine andere standardmäßige Ausgangsbasis zu haben. Wenn Ihre störende Angewohnheit darin besteht, jeden Nachmittag einen Zwischenstopp bei Ihrem Lieblingsbäcker einzulegen, nehmen Sie doch beim nächsten Mal einen anderen Weg nach Hause. Sie könnten vielleicht auch versuchen, früher oder später von der Arbeit aufzubrechen, und sehen, was dann passiert. Sie müssen verschiedene Veränderungen des Stimulus ausprobieren, um das beste Mittel zum Verändern Ihrer Reaktion zu finden.

Wenn Sie einmal erkannt haben, welche Absicht hinter Ihrem Verhalten steckt, ist es leichter, eine Alternative zu finden. Werden bei einem Meeting vergleichsweise schwache Ideen besprochen, sodass Sie sich veranlasst sehen, andere zu unterbrechen, um mit dem Thema weiterzukommen, müssen Sie die Besprechung vielleicht unterbrechen und eine bessere Vorbereitung einfordern. Alternativ könnten Sie Fragen vorbereiten, die Sie stellen möchten, um Ihre Teammitglieder bei einer Horizonterweiterung zu unterstützen (statt sie zu unterbrechen).

4. Schaffen Sie ein System der Unterstützung

Wie gewöhnen Sie sich die neuen Verhaltensweisen am besten an? Machen Sie dazu das Beste aus kleinen Erfolgen, und erinnern Sie sich an die Geschichte von Odysseus:

i) Verhaltensweisen ändern sich nicht von jetzt auf gleich. Machen Sie sich auf ein Scheitern gefasst, wenn Sie das alternative Verhalten zum ersten Mal ausprobieren. Eventuell unterbrechen Sie jemanden und erinnern sich in dem Moment daran, dass Sie eigentlich stattdessen eine Frage stellen wollten. Zu erkennen, was Sie hätten tun sollen, ist schon ein kleiner Erfolg. Geben Sie nicht auf. Um Ihr Verhalten dauerhaft zu ändern, brauchen Sie Beharrlichkeit und positives Denken.

ii) Die Geschichte von Odysseus: Odysseus war umsichtig und vorausschauend, aber auch ein Genussmensch. Deshalb ergriff er Vorsichtsmaßnahmen, bevor er die Insel der Sirenen passierte. Er verstopfte seinen Männern die Ohren mit Wachs und ließ sich selbst am Mast des Schiffs festbinden. Immer, wenn seine Männer ihn rufen sahen, sollten sie ihn noch fester anbinden.

Dieses Beispiel zeigt, dass die eigene Willensstärke nicht immer ausreicht und es ratsam ist, sich die Unterstützung anderer zu sichern. Teilen Sie den Teammitgliedern Ihre Beobachtungen mit. Lassen Sie sie wissen, dass Ihnen das lästige Verhalten samt den negativen Auswirkungen bewusst ist. Erläutern Sie, welches positive Verhalten Sie sich als Alternative überlegt haben (im Beispielfall das Stellen von Fragen). Bitten Sie die Mitarbeiter um Unterstützung: Weisen Sie ein Mitglied Ihres Teams an, Ihnen eine direkte Rückmeldung zu geben, sobald Sie jemanden unterbrechen. Fordern Sie zusätzlich vielleicht noch ein anderes Teammitglied auf zu zählen, wie viele Fragen Sie gestellt haben.

5. Verwalten Sie den Erfolg

Je nachdem, welches Verhalten Sie ändern möchten, wird sich der Erfolg früher oder später einstellen. Legen Sie fest, bis wann Sie die Veränderung umgesetzt haben wollen, und schreiben Sie sich eine Erinnerung in den Kalender. Wie lange soll der Testzeitraum dauern? Einen Monat? Sechs Monate? Woran werden Sie erkennen, ob sich etwas geändert hat? Werden Sie sich durch Schreiben eines Protokolls überwachen? Werden Sie nach dem Probezeitraum um Rückmeldungen bitten? Ein gutes Erfolgskriterium ist auch, ob Sie in der Lage sind, die alte Verhaltensweise bewusst zu steuern.

Das eigene Verhalten zu ändern, ist harte Arbeit, da Sie die alte Vorgehensweise umlenken und durch eine neue Routine ersetzen müssen. Wenn Sie Ihrem Team gegenüber Änderungswillen deutlich machen, demonstrieren Sie damit bestens, dass Sie Ihren Worten auch Taten folgen lassen. Damit motivieren Sie andere, es Ihnen gleichzutun.

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